Die Glocken in Rom


Erinnerungen eines Alt-Ministranten an die Karwoche

Wenn während der Gründonnerstagsmesse – entgegen der Gewohnheit in der Fastenzeit – ein festliches Gloria ertönt, dann hat das einen bestimmten Grund. Alle Glocken läuten, in der Kirche und auch die Kirchturmsglocken, um danach sofort die Reise nach Rom anzutreten. Die Glocken haben sich diesen Kurzurlaub wohl verdient, begleiten und rufen Sie uns doch zu den Gottesdiensten das ganze Jahr hindurch. Während in der Kirche einfache Holzklappen die Vertretung in den folgenden Gottesdiensten bis zur Osternachtsfeier übernehmen, schweigt der Kirchturm vollständig. Kein Angelusläuten in der Früh und am Abend, keine Mittagesglocken – vorösterliche Stille des Kirchturms.

Dafür gibt es ab Karfreitag früh ein emsiges Treiben zu früher Stunde um den Pfarrhof herum. Buben und Mädchen, bewaffnet mit Ratschen (lärmerzeugende Holzinstrumente) versammeln sich, um die in Rom weilenden Kirchenglocken einigermaßen zu vertreten. Um 6.00 früh geht es los, die Einteilung, wer wann und wo marschiert, ist schon in den Vortagen getroffen worden. Mit Ratschen und Sprüchen geht es los, die noch schlafende Christenheit des Ortes dahingehend zu informieren, dass es für einen ordentlichen Christen an der Zeit wäre, sich zu erheben, dass dies mit Gebet geschehen sollte und dass die Glocken bis zu ihrer Rückkehr aus Rom von den Ratschen vertreten werden.

Für die Buben und Mädchen eine tolle Leistung – wir befinden uns doch mitten in den Osterferien. Das Aufstehen war sicherlich nicht so leicht und angenehm, aber das gehört zu den Pflichten eines Ministranten bzw. Ratschenkindes.

Auch zu Mittag um 12.00 und am Nachmittag geht es nochmals durch den Ort. Die Karfreitagsliturgie abends in der Kirche mit ihrer vornehmen Stille hält alle im Bann. Die Kirche ist wie verlassen – kein Schmuck, keine Geräte – selbst der Priester wirft sich am Beginn des Gottesdienstes zu Boden.

In den Gesichtern der MinistrantInnen zeichnet sich ein Hoch von Müdigkeit ab. Ein ereignisreicher Tag ist zu Ende, wohle Müdigkeit verschafft tiefen Schlaf.

Der Karsamstag beginnt wieder mit dem Ratschen um 6.00 – doch über diesem Morgen hängt schon so etwas von Osterfriede. War doch dieser Tag bei den Juden ein großer Festtag – Sabbat – Nichtstun – ganz im Gegensatz von unserem Karsamstag. Aber die heutige Tour durch den Ort wird verbunden mit den Osterwünschen der Ministranten und ihrer Helfer an die Bevölkerung unseres Ortes. Dankbar werden bereits gefärbte Ostereier, Schokoladeosterhasen und sonstige Süßigkeiten entgegengenommen und es gibt auch ein kleines finanzielles Dankeschön der Gläubigen unseres Ortes an die Buben und Mädchen. Diese Beiträge werden gesammelt und nach Zuerkennung einer kleinen persönlichen Entschädigung wird überlegt, was man mit der gemeinsam erworbenen Spende machen kann. In den letzten Jahren haben die Jugendlichen einen finanziellen Beitrag dazu geleistet, dass wir den Pfarrhofgarten mit dem Spielplatz in Ordnung bringen konnten. Liebe Buben und Mädchen, ich darf Euch dafür ein herzliches Vergelt‘s Gott sagen !!

Danke für Euren anstrengenden Dienst – ich kann Euch versichern, die Glocken, die während der Osternachtsfeier gerade pünktlich aus Rom zurückkehren – läuten besonders festlich und wenn Ihr genau hinhört, werdet Ihr im festlichen Geläute den Dank an Euch für die Vertretung in den letzten Tagen vernehmen können.

Eine besinnliche Karwoche und ein frohes Osterfest wünscht Ihnen allen, besonders aber unseren Ratschenbuben und –mädchen.

H. Stangl


Infos zum Ratschen zeitgerecht im Download Bereich oder in der Pfarrkanzlei.